Augsburg Es ist ein großes, hehres Ziel, doch der Weg dorthin beschwerlich: Im Rahmen des Forschungsprojekts „Nationale Kohorte“ (Nako) sollen 200 000 Personen bundesweit untersucht werden, 20 000 davon in Augsburg, um große Volksleiden verhindern beziehungsweiße besser behandeln zu können. Doch 20 000 Menschen zur Teilnahme an der wichtigen Studie zu bewegen, „das ist eine richtige Herausforderung“, erklärt Professor Christa Meisinger, Leiterin der Augsburger Forschungseinrichtungen Nako-Studienzentrum, Kora-Studienzentrum und Augsburger Herzinfarktregister. Mit bislang 2600 untersuchten Personen liege man im Zeitplan zurück.
Woran liegt das? Es sei schwer, 25 Untersuchungstermine täglich mit zufällig ausgewählten Personen zu vereinbaren. Ohne Eintrag im Telefonbuch habe man keine Möglichkeit, mit den Teilnehmern zu reden. „Wenn diese Personen nicht auf unsere schriftliche Einladung zur Studie reagieren, kommt kein Kontakt zustande“, berichtet Meisinger.
Ob das Ganze denn überhaupt seriös sei, werde oftmals gefragt. Das aber ist es durchaus: die Nako ist ein Großprojekt mit Beteiligung von Wissenschaftlern und wissenschaftlichen Einrichtungen in ganz Deutschland. Ziel ist es, mehr über verbrei-

tete Krankheiten wie Diabetes, Demenz oder Lungenerkrankungen und ihre Interaktion mit Umweltfaktoren in Erfahrung zu bringen, damit man sie besser bekämpfen kann. Um verlässliche und repräsentative Aussagen machen zu können, sind die Forscher jedoch ganz elementar auf die Mitwirkung der zufällig ausgewählten Personen angewiesen. „Gerade die Jungen sind schwer zur Teilnahme zu bewegen“, bedauert Meisinger. Zufällig ausgewählt werden Bürger zwischen 20 und 69 Jahren, doch insbesondere die Altersgruppen zwischen 20 und 30 Jahren sei bislang sehr schlecht besetzt. Dabei ist das die Altersgruppe, die mit größter Wahrscheinlichkeit eines Tages von den Nako-Ergebnissen insgesamt profitieren könnte, denn die Erkenntnisse würden sich in effektiveren Therapien und Vorbeugemöglichkeiten niederschlagen. Unmittelbar profitieren jedoch alle Teilnehmer von der Studie. Es seien schließlich attraktive, wissenschaftliche Untersuchungen, die angeboten werden, wie etwa Lungenfunktionsprüfungen, Ganzkörper-Kernspin-Untersuchungen oder spezielle neuropsychologische Tests, so Meisinger. Ausgewählte Ergebnisse werden den Studienteilnehmern in einem Brief mitgeteilt. Und auch wenn die Untersuchungen ein paar Stunden in Anspruch nehmen – die Zeit sei eigentlich kurzweilig, sagt Meisinger, denn Wartezeiten würden vermieden. Auch sonst versucht

man, den Nako-Teilnehmern den Aufenthalt im Studienzentrum, das in den Räumen der früheren Kinderklinik neben dem Augsburger Klinikum untergebracht ist, so angenehm wie möglich zu gestalten. Wer zwischendurch einen Kaffee trinken und einen Imbiss einnehmen möchte, für den gibt es ein entsprechendes Angebot.

Im Vergleich zur Nako-Studie mit bundesweit 200 000 Teilnehmern ist die Kora-Studie (Kora steht für „Kooperative Gesundheitsforschung in der Region Augsburg“), die aus der Monica-Herz-Kreislauf-Studie hervorgegangen und ebenfalls in Augsburg angesiedelt ist, eher klein.Seit Anfang der 1980er Jahre wurden im Rahmen von Monica/Kora knapp 20 000 Erwachsene aus Augsburg und der Region untersucht. Auch Kora läuft noch weiter, berichtet Meisinger, die bisherigen Teilnehmer werden bis ins Alter hinein nachbeobachtet. Gerade ist das Kora-Studienzentrum in neue, repräsentative Räume im Augsburger Glaspalast umgezogen. Gestern fand die offizielle Einweihung der neuen Räumlichkeiten statt.